Ein Grundriss ist ein waagerechter Schnitt durch ein Geschoss, etwa einen Meter über dem Fußboden, von oben betrachtet. Alles, was die Schnittebene durchschneidet, zeichnet man kräftig: Wände, Stützen, Fenster und Türen. Was darunter liegt und sichtbar ist, wird dünn gezeichnet, zum Beispiel Möbel oder Treppenstufen. Was darüber liegt, wird gestrichelt gezeichnet. Die meisten Grundrisse von Wohnungen und Häusern sind im Maßstab 1:100 gezeichnet: 1 cm auf dem Plan sind 1 m in Wirklichkeit. Die Regeln dafür stehen in der DIN 1356-1, der Norm für Bauzeichnungen.

Wände
- Geschnittene Wände sind kräftig umrandet und meist gefüllt oder schraffiert. Dicke Außenwände tragen das Haus. Innenwände unter etwa 11,5 cm sind meist nichttragend.
- Schraffuren zeigen in Bauplänen oft das Material, zum Beispiel Mauerwerk, Beton oder Leichtbau.
- Umbaupläne haben eine Farbcodierung: Bestand schwarz oder grau, Abbruch gelb, Neubau rot.
Türen
Eine Tür erkennen Sie an einer Öffnung in der Wand mit einem Viertelkreis. Der Kreisbogen zeigt, wohin das Türblatt aufschlägt, die gerade Linie ist das geöffnete Türblatt. Schiebetüren werden als Linie parallel zur Wand mit Pfeil gezeichnet.
An der Tür steht meist ein Bruch wie 88,5 / 2,01. Die Zahl über dem Strich ist die Breite der Rohbauöffnung (88,5 cm), die darunter die Höhe (2,01 m). Die lichte Durchgangsbreite der fertigen Tür ist kleiner.

Fenster
Fenster sind Öffnungen in der Außenwand mit dünnen Linien für Rahmen und Glas. Daneben steht die Breite und oft die Brüstungshöhe, zum Beispiel „BRH 90“. Das ist der Abstand vom Fußboden bis zur Unterkante des Fensters in Zentimetern. Fenstertüren zum Balkon oder zur Terrasse haben keine Brüstung und werden wie Türen mit Aufschlag gezeichnet.

Treppen im Grundriss
Treppen sind das Symbol, das am häufigsten Fragen aufwirft, weil eine Treppe durch mehrere Geschosse geht, der Grundriss aber nur eines zeigt.
Lauflinie: Die Linie in der Mitte der Stufen heißt Lauflinie. Sie beginnt mit einem Kreis oder Punkt an der untersten Stufe (Antritt) und endet mit einem Pfeil an der obersten (Austritt). Der Pfeil zeigt immer nach oben, egal aus welchem Geschoss Sie schauen.
Schnittlinie: Da die Schnittebene etwa einen Meter hoch liegt, wird die Treppe im Grundriss durchgeschnitten. Die Stufen unterhalb sind durchgezogen gezeichnet. Eine schräge Linie markiert die Schnittstelle, darüber ist die Treppe gestrichelt oder weggelassen.
Die Treppe in jedem Geschoss
- Erdgeschoss: Sie sehen den unteren Teil der Treppe nach oben. Darüber ist sie abgeschnitten.
- Obergeschoss: Sie sehen die Treppe von oben, komplett, bis zur Deckenöffnung. Ein Geländer sichert das Treppenloch.
- Keller: Sie sehen den Anfang der Treppe nach oben ins Erdgeschoss.

Treppenarten
- Gerade Treppe: ein durchgehender Lauf.
- Viertelgewendelte Treppe: ändert die Richtung um 90°. Die Stufen im Knick werden zur Innenseite schmaler.
- Halbgewendelte Treppe: ändert die Richtung um 180°.
- Podesttreppe: zwei Läufe mit Zwischenpodest.
- Spindeltreppe: windet sich kreisförmig um eine Mittelsäule.

Was die Zahlen an der Treppe bedeuten
Oft steht dort zum Beispiel „16 Stg. 17,5/26“: 16 Steigungen, jede 17,5 cm hoch, mit 26 cm Auftritt, also Tiefe der Stufe. Daraus ergibt sich die Geschosshöhe: 16 × 17,5 cm = 2,80 m.
Ob eine Treppe bequem ist, prüft man mit der Schrittmaßregel: 2 × Steigung + Auftritt sollte zwischen 59 und 65 cm liegen. Im Beispiel: 2 × 17,5 + 26 = 61 cm.
Mindestmaße nach DIN 18065 für Wohngebäude mit bis zu zwei Wohnungen:
- Steigung 14–20 cm
- Auftritt 23–37 cm
- nutzbare Laufbreite mindestens 80 cm
- Kopfhöhe mindestens 2,00 m
Für andere Gebäude gelten strengere Werte.
Bemaßung lesen
Maßketten stehen außen um den Grundriss, meist drei hintereinander:
- innen die Öffnungen (Fenster, Türen),
- in der Mitte Vor- und Rücksprünge der Wand,
- außen das Gesamtmaß.
Innenmaße stehen in den Räumen.
Rohbaumaß oder Fertigmaß: In Bauplänen sind die Maße meist Rohbaumaße, also ohne Putz und Bodenbelag. Ein Raum ist im fertigen Zustand einige Zentimeter kleiner. In Bestandsplänen und Exposé-Grundrissen sind es oft Fertigmaße.
Hochgestellte Zahlen: Ein Maß wie 1,01⁵ bedeutet 1,015 m. Die kleine Zahl sind halbe Zentimeter.
Maße unter 1 m stehen oft in Zentimetern, zum Beispiel 24 für eine 24 cm dicke Wand. Maße über 1 m stehen in Metern.

Weitere Symbole
- Raumstempel: Raumname, Fläche in m², oft auch lichte Raumhöhe und Bodenbelag.
- Höhenkoten: ±0,00 ist meist die Oberkante des fertigen Fußbodens im Erdgeschoss. Andere Höhen beziehen sich darauf, zum Beispiel −2,60 für den Keller.
- Nordpfeil: zeigt die Himmelsrichtung, wichtig für Sonne und Belichtung.
- Schornstein und Schächte: Rechteck mit diagonalem Kreuz oder Schraffur.
- Sanitär: WC, Waschbecken, Dusche und Wanne als vereinfachte Umrisse.
- Schnittlinie mit Buchstaben: Eine Linie mit zwei Pfeilen und Buchstaben, zum Beispiel A–A, zeigt, wo der zugehörige Schnitt verläuft.
Grundriss, Schnitt und Ansicht
- Grundriss: waagerechter Schnitt, von oben gesehen. Zeigt die Raumaufteilung.
- Schnitt: senkrechter Schnitt durch das Haus, zum Beispiel entlang der Linie A–A. Zeigt Geschosshöhen, Decken, Dach und Treppe in der Höhe.
- Ansicht: das Haus von außen, je Himmelsrichtung. Zeigt Fassade, Fenster und Dachform.
Erst alle drei zusammen beschreiben ein Gebäude vollständig. Für einen Bauantrag werden sie gemeinsam eingereicht.

Typische Fehler beim Grundriss lesen
- Fläche aus dem Plan abmessen: Ausdrucke verändern den Maßstab. Messen Sie nie mit dem Lineal auf dem Ausdruck, sondern rechnen Sie mit den eingetragenen Maßen.
- Rohbaumaß mit Fertigmaß verwechseln: Die Küche passt auf dem Papier, in Wirklichkeit fehlen 3 cm Putz je Wand.
- Treppenpfeil falsch lesen: Der Pfeil zeigt nach oben, nicht in Laufrichtung von Ihrem Standpunkt aus.
- Raumfläche gleich Wohnfläche annehmen: Für die Wohnfläche gelten eigene Regeln, etwa für Dachschrägen und Balkone. Wohnflächenberechnung nach WoFlV
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Stefan Kratzert, Architekt, Bayerische Architektenkammer (Mitgl.-Nr. 175549) · Karyna Ladutska, Architektin · Ruslan Luarsabov, Bauingenieur
Häufige Fragen
In welche Richtung zeigt der Pfeil an der Treppe?
Immer nach oben. Die Lauflinie beginnt mit einem Kreis an der untersten Stufe und endet mit dem Pfeil an der obersten.
Warum ist die Treppe im Grundriss abgeschnitten?
Ein Grundriss ist ein Schnitt in etwa einem Meter Höhe. Was darüber liegt, wird nicht oder nur gestrichelt gezeichnet. Die schräge Linie zeigt, wo die Treppe durchgeschnitten ist.
Was bedeutet 88,5/2,01 an einer Tür?
Die Breite der Rohbauöffnung (88,5 cm) über dem Strich, die Höhe (2,01 m) darunter.
Was heißt BRH im Grundriss?
Brüstungshöhe, also der Abstand vom Fußboden bis zur Unterkante des Fensters.
Was ist der Unterschied zwischen Grundriss und Schnitt?
Der Grundriss schneidet waagerecht und zeigt die Raumaufteilung, der Schnitt schneidet senkrecht und zeigt die Höhen.