Wärmepumpe Stromverbrauch: Jahresarbeitszahl, COP und SCOP richtig rechnen

Auf den Punkt:

Den Stromverbrauch einer Wärmepumpe berechnen Sie, indem Sie den Jahreswärmebedarf für Heizung und Warmwasser durch die Jahresarbeitszahl (JAZ) teilen. Bei 15.000 kWh Wärme und einer JAZ von 3,4 sind das rund 4.400 kWh Strom im Jahr. Der COP aus dem Datenblatt gilt nur für einen Prüfpunkt, der SCOP bewertet das Gerät unter Normklima, die JAZ gilt für Ihr Gebäude über ein Jahr. Feldmessungen zeigen bei Luft-Wasser-Wärmepumpen im Bestand JAZ-Werte von 2,6 bis 4,9.

Von Stefan Kratzert

Wärmepumpe Stromverbrauch berechnen: die kurze Antwort

Den Stromverbrauch einer Wärmepumpe berechnen Sie, indem Sie den jährlichen Wärmebedarf für Heizung und Warmwasser durch die Jahresarbeitszahl (JAZ) teilen. Bei 15.000 kWh Wärme und einer JAZ von 3,4 sind das rund 4.400 kWh Strom im Jahr. Entscheidend ist, welche Kennzahl Sie einsetzen: Der COP aus dem Datenblatt gilt für einen einzelnen Prüfpunkt, der SCOP bewertet das Gerät unter einem Normklima, und nur die JAZ beschreibt ein ganzes Jahr in Ihrem Gebäude. Wer den Datenblatt-COP einsetzt, rechnet den Verbrauch meist zu niedrig.

COP, JAZ und SCOP: drei Kennzahlen, drei verschiedene Fragen

Die drei Begriffe werden ständig verwechselt, weil alle drei „Wärme pro Strom“ ausdrücken. Sie beantworten aber unterschiedliche Fragen.

KennzahlWas sie beschreibtWo und wie ermitteltNormWofür sie taugt
COP (Leistungszahl)abgegebene Heizleistung geteilt durch aufgenommene elektrische Leistung, in einem festen Betriebspunkt, zum Beispiel A7/W35 oder A2/W35 (Außenluft 7 °C bzw. 2 °C, Heizwasser 35 °C)Prüfstand, Gerät alleinDIN EN 14511Geräte im Datenblatt vergleichen
SCOP und ηs (saisonale Leistungszahl, saisonale Raumheizungs-Energieeffizienz)gewichteter Wert aus mehreren Teillast-Prüfpunkten für ein europäisches Referenz-Heizjahr, nur RaumheizungBerechnung aus Prüfstandsdaten, Gerät alleinDIN EN 14825; ηs nach Verordnung (EU) 811/2013Geräte vergleichen, Energielabel
JAZ (Jahresarbeitszahl)im Jahr abgegebene Wärme geteilt durch im Jahr aufgenommenen Stromim Betrieb gemessen, vorab berechnet für Ihr Gebäude, Ihren Standort, Ihre VorlauftemperaturBerechnung nach VDI 4650 Blatt 1:2024-02Stromverbrauch einer konkreten Anlage vorhersagen
Drei Kennzahlen, drei Fragen: COP im Prüfpunkt am Gerät (DIN EN 14511), SCOP im Referenz-Heizjahr (DIN EN 14825), JAZ im Gebäude über ein Jahr (VDI 4650 Blatt 1:2024-02), darunter die Formel Stromverbrauch gleich Wärmebedarf geteilt durch JAZ
Drei Kennzahlen, drei Fragen: COP im Prüfpunkt am Gerät (DIN EN 14511), SCOP im Referenz-Heizjahr (DIN EN 14825), JAZ im Gebäude über ein Jahr (VDI 4650 Blatt 1:2024-02), darunter die Formel Stromverbrauch gleich Wärmebedarf geteilt durch JAZ

Warum der COP den Jahresverbrauch nicht liefert. Der COP gilt für eine feste Außentemperatur und eine feste Vorlauftemperatur. Ein Heizjahr besteht aus Tausenden Betriebspunkten, dazu kommen Abtauung, Warmwasserbereitung mit höherer Temperatur, Hilfsantriebe und gegebenenfalls ein Heizstab. All das steckt im COP nicht drin. Im Feldtest des Fraunhofer ISE lagen die Norm-Leistungszahlen der vermessenen Luft-Wasser-Geräte (DIN EN 14511, A2/W35) zwischen 3,2 und 4,6, die gemessenen Jahresarbeitszahlen derselben Gruppe im Mittel bei 3,4 und in der Spanne von 2,6 bis 4,9. Der COP zeigt die prinzipielle Güte des Geräts, nicht das Ergebnis im Betrieb.

Warum auch der SCOP nicht Ihr Verbrauch ist. Der SCOP rechnet mit einem festgelegten Referenzklima und festen Vorlauftemperaturen. Er macht Geräte untereinander vergleichbar. Ihr Haus mit seinem Standort, seinen Heizflächen und seinem Warmwasserbedarf bildet er nicht ab.

Bilanzgrenze: Wann zwei JAZ-Angaben nicht vergleichbar sind

Auch die JAZ ist nur mit Bilanzgrenze eindeutig. Das Fraunhofer ISE unterscheidet in seinen Feldmessungen die Erzeugerarbeitszahl (Bilanzgrenze 3: Wärmepumpe inklusive Heizstab und Wärmequellenantrieb, gemessen vor dem Speicher) und die Systemarbeitszahl (Bilanzgrenze 5: Wärme nach dem Speicher, zusätzlich mit Speicherladepumpe). Die Systemarbeitszahl liegt im Schnitt rund 15 % unter der Erzeugerarbeitszahl. Fragen Sie deshalb bei jeder JAZ-Angabe nach: Ist der Heizstab enthalten? Das Warmwasser? Die Pumpen?

Stromverbrauch der Wärmepumpe berechnen: die Formel

Stromverbrauch (kWh/Jahr) ≈ (Wärmebedarf Heizung + Wärmebedarf Warmwasser) ÷ JAZ

„Wärmebedarf“ meint die Nutzwärme, die die Wärmepumpe an das Heizsystem abgeben muss. Das ist weder der Gas- oder Ölverbrauch noch der Endenergiekennwert im Energieausweis, denn beide enthalten die Verluste des bisherigen Kessels. Drei Wege führen zum Wärmebedarf:

  1. Verbrauchsdaten. Brennstoffverbrauch mehrerer Jahre, witterungsbereinigt, multipliziert mit dem Jahresnutzungsgrad des bisherigen Kessels. Ein einzelnes Jahr führt in die Irre, weil milde und kalte Winter den Verbrauch stark verschieben.
  2. Energieausweis. Der Endenergiekennwert mal Gebäudenutzfläche ergibt die Endenergie des heutigen Systems, nicht die Nutzwärme. Wie der Kennwert zustande kommt und wann Verbrauchs- oder Bedarfsausweis gilt, steht im Ratgeber Energieausweis.
  3. Berechnung. Ein Energieberater oder Fachplaner ermittelt den Bedarf aus Bauteilen und Anlagentechnik. Das ist der belastbarste Weg, vor allem nach Sanierungen.

Das Warmwasser rechnen Sie getrennt ein. In den Feldmessungen des Fraunhofer ISE entfielen rund 81 % der abgegebenen Wärme auf die Raumheizung und rund 19 % auf die Trinkwassererwärmung.

Rechenbeispiel: derselbe Wärmebedarf, drei JAZ

Die Zahlen unten sind Annahmen für ein Rechenbeispiel, keine Messwerte: 15.000 kWh Wärme pro Jahr, aufgeteilt im Verhältnis 81 : 19 in 12.150 kWh Heizung und 2.850 kWh Warmwasser.

JAZStrom pro JahrEinordnung
2,65.769 kWhunteres Ende der gemessenen Luft-Wasser-Werte
3,44.412 kWhMittelwert der gemessenen Luft-Wasser-Werte
4,93.061 kWhoberes Ende der gemessenen Luft-Wasser-Werte

Die Spanne ist groß: Bei gleichem Gebäude braucht die schlechteste Anlage rund das 1,9-Fache an Strom der besten. Multiplizieren Sie den Verbrauch mit Ihrem Arbeitspreis, um die Stromkosten zu erhalten. Bei angenommenen 20 ct/kWh wären die 4.412 kWh rund 882 € im Jahr, bei 30 ct/kWh rund 1.324 €, jeweils ohne Grundpreis und Zählergebühren.

Welche JAZ ist realistisch? Messwerte aus dem Betrieb

Belastbare Werte liefern Feldmessungen an laufenden Anlagen, nicht Prospektangaben. Das Fraunhofer ISE hat im Projekt „WP-QS im Bestand“ Wärmepumpen in bestehenden Wohngebäuden vermessen. Für das Auswertejahr 2024 gilt (Erzeugerarbeitszahl, Bilanzgrenze 3):

WärmequelleAnlagenJAZ-SpanneMittelwert
Außenluft/Wasser492,6 bis 4,93,4
Erdreich (Erdwärmesonden)133,6 bis 5,44,3

*Stand: Oktober 2026. Quelle: Fraunhofer ISE, Abschlussbericht „WP-QS im Bestand“, Fassung vom 25.11.2025.*

Vier Befunde aus dem Bericht helfen bei der Einordnung:

  • Das Baujahr entscheidet nicht über die JAZ. Das Fraunhofer ISE fand keinen Zusammenhang zwischen Baualter und Effizienz. Maßgeblich waren die Heizkreistemperaturen, und die lagen über alle Baualtersklassen hinweg ähnlich.
  • Heizkörper sind kein Ausschlusskriterium. Ausreichend dimensionierte Heizkörper liefen mit ähnlich niedrigen Temperaturen wie Flächenheizungen.
  • Der Heizstab spielt im Mittel eine kleine Rolle. Bei den Luft-Wasser-Anlagen entfielen im Mittel rund 1,3 % der elektrischen Arbeit auf Heizstäbe. Einzelne Ausreißer gingen auf Gerätestörungen oder Fehler in der Parametrierung zurück.
  • Die Messjahre waren eher mild. Die Außentemperaturen lagen im Messzeitraum leicht über dem langjährigen Mittel, Temperaturen unter −5 °C traten selten auf. In einem kalten Winter kann die JAZ schlechter ausfallen.

Aus einer Tabelle wie dieser wird keine Planung. Den JAZ-Wert für Ihr Haus liefert die Berechnung nach VDI 4650 Blatt 1:2024-02 mit Ihrer Vorlauftemperatur, Ihrem Standort und Ihrem Warmwasserbedarf.

Stromverbrauch pro Tag im Winter

Eine Tagesprognose ist unsicherer als die Jahresrechnung, aber eine Obergrenze lässt sich ableiten. Am kältesten Auslegungstag liefert die Wärmepumpe höchstens die Heizlast des Gebäudes, also Heizlast (gegebenenfalls zuzüglich Warmwasserleistung) mal 24 Stunden. Teilen Sie das durch den COP im ungünstigen Prüfpunkt A−7/W35 aus dem Datenblatt.

Beispiel mit angenommenen Werten: 8 kW Heizlast und ein COP von 2,8 bei A−7/W35. Die Wärme am kältesten Tag beträgt höchstens 8 kW × 24 h = 192 kWh, der Strom höchstens 192 kWh ÷ 2,8 ≈ 69 kWh.

Dieser Wert ist eine Obergrenze und kein Normalfall. Die Norm-Heizlast nach DIN EN 12831 liegt tendenziell über der tatsächlichen Last, und Tage mit Auslegungstemperatur sind selten. Der reale Wert kann zusätzlich vom Rechenwert abweichen, weil Abtauung und Warmwasser den Strombedarf erhöhen. Der Winterverbrauch ist stark saisonal: Der größte Teil des Jahresstroms fällt in der Heizperiode an.

Was den Verbrauch bestimmt, und was Sie beeinflussen können

  • Vorlauftemperatur. Eine Korrelation zur Effizienz zeigte sich im Feldtest des Fraunhofer ISE nur bei den Heizkreistemperaturen. Eine niedrigere Vorlauftemperatur ist deshalb ein wesentlicher Hebel, den Sie über Heizflächen und Regelung beeinflussen.
  • Warmwasser. Es macht in den Feldmessungen rund ein Fünftel der Wärme aus und wird bei höherer Temperatur bereitet als die Raumheizung.
  • Dimensionierung. Die meisten untersuchten Anlagen haben bei −7 °C eine deutliche Leistungsreserve. Das Fraunhofer ISE nennt Sicherheitszuschläge und die tendenziell höhere Norm-Heizlast als mögliche Gründe. Sehr wenige Verdichterstarts im Jahr erreichten im Feldtest nur knapp dimensionierte Anlagen; viele kurze Laufzeiten können die Lebensdauer des Verdichters belasten.
  • Bilanzgrenze der Angabe. Ein Messwert mit Heizstab und Pumpen ist niedriger als ein reiner Erzeugerwert, siehe oben.

Der Verbrauch hängt damit an der Heizlast des Gebäudes. Sie wird nach DIN EN 12831-1 vom Energieberater oder Fachplaner berechnet und ist auch die Grundlage für die Auslegung der Wärmepumpe. Faustformel, Rechenbeispiel und Kosten dazu stehen im Ratgeber Heizlastberechnung online: Wie viel kW braucht Ihre Wärmepumpe?.

Woher die Eingangsdaten kommen

Wärmebedarf, Vorlauftemperatur und Heizlast hängen an Gebäudedaten: beheizte Flächen, Hüllflächen, Bauteilaufbauten. Liegen nur Papierpläne vor, fehlt diese Grundlage. Wir erstellen aus Plänen und Modellen Building-Energy-Model-Daten im Format gbXML oder IFC, mit denen Energieberater und Fachplaner ihre Berechnung aufbauen. Die Berechnung selbst, also Heizlast, Wärmebedarf und JAZ, übernehmen wir dabei nicht. Wie ein solches Modell aufgebaut ist, erklärt der Ratgeber Building Energy Model: Energiebilanz im BIM. Das Angebot zu den Daten finden Sie unter BEM-Daten.

Grenzen dieser Rechnung

  • Die Formel liefert eine Größenordnung. Sie ersetzt weder die Berechnung der JAZ nach VDI 4650 Blatt 1:2024-02 noch die Planung durch einen Fachplaner oder Energieberater.
  • Jede Eingangszahl streut. Beim Wärmebedarf entscheidet die Datenqualität, bei der JAZ Vorlauftemperatur, Regelung und Einstellung der Anlage.
  • Die Feldwerte gelten für Bestandsgebäude und die genannten Auswertejahre. Für Neubauten, Hochtemperaturanlagen, Mehrfamilienhäuser oder bivalente Systeme sind sie nur Anhaltspunkte.
  • Zu Kosten im Vergleich mit Gas und Öl sowie zur Förderung machen wir auf dieser Seite keine Aussage.

Fachlich verantwortet von

Stefan Kratzert, Architekt · Karyna Ladutska, Architektin · Ruslan Luarsabov, Bauingenieur

Häufige Fragen

Wie viel Strom verbraucht eine Wärmepumpe im Jahr?

Das hängt vom Wärmebedarf und der JAZ ab. Bei 15.000 kWh Wärme für Heizung und Warmwasser sind es rund 4.400 kWh bei JAZ 3,4, mit einer Spanne von rund 3.100 bis 5.800 kWh bei JAZ 4,9 bis 2,6. Pauschale Angaben je Quadratmeter lassen Dämmstandard, Warmwasser und Vorlauftemperatur außen vor.

Ist der COP dasselbe wie die JAZ?

Nein. Der COP gilt für einen Prüfpunkt am Gerät, etwa A7/W35, die JAZ für ein ganzes Jahr der Anlage im Gebäude. Im Feldtest des Fraunhofer ISE lagen die Norm-Leistungszahlen der Luft-Wasser-Geräte bei 3,2 bis 4,6, die JAZ der Anlagen im Mittel bei 3,4.

Was ist ein guter COP, was eine gute JAZ?

COP-Werte sind nur innerhalb desselben Prüfpunkts vergleichbar. Für die JAZ zeigen die Feldmessungen des Fraunhofer ISE bei Luft-Wasser-Wärmepumpen im Bestand einen Mittelwert von 3,4 bei einer Spanne von 2,6 bis 4,9. Wo Ihre Anlage landet, entscheiden vor allem die Heizkreistemperaturen.

Was ist der Unterschied zwischen SCOP und JAZ?

Der SCOP ist ein Rechenwert für das Gerät unter einem europäischen Referenzklima und gilt für die Raumheizung. Die JAZ ist der Jahreswert Ihrer Anlage im Gebäude, einschließlich Warmwasser, mit den tatsächlichen Temperaturen und Betriebsbedingungen.

Warum liegt mein tatsächlicher Verbrauch über der Berechnung?

Häufige Gründe sind eine höhere Vorlauftemperatur als geplant, ein Heizstab im Einsatz, ein kalter Winter, ein unterschätzter Warmwasserbedarf, häufiges Takten oder eine andere Bilanzgrenze der verglichenen JAZ.

Wie viel Strom braucht eine Wärmepumpe pro Tag im Winter?

Als Obergrenze gilt Heizlast mal 24 Stunden, geteilt durch den COP bei A−7/W35. Im Beispiel oben sind das höchstens rund 69 kWh. Der Normalfall liegt darunter, weil die Auslegungstemperatur selten erreicht wird.

Gibt es einen JAZ-Rechner?

Die Rechnung oben ist ein Dreisatz, den Sie selbst nachrechnen können. Ein Online-Rechner ist nur so gut wie seine Eingaben, vor allem der angenommene JAZ-Wert. Für die verbindliche Berechnung gilt VDI 4650 Blatt 1:2024-02.

Stand: Oktober 2026. Quellen: DIN EN 14511 (Teile 1 bis 4), DIN EN 14825, VDI 4650 Blatt 1:2024-02, Delegierte Verordnung (EU) 811/2013, DIN EN 12831-1; Fraunhofer ISE, Abschlussbericht „WP-QS im Bestand“ (25.11.2025).

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