Nicht geschlossene Polygone beim CAFM-Import — Ursachen finden und beheben

Auf den Punkt:

Das CAFM meldet nicht geschlossene Raumpolygone, in AutoCAD sieht alles korrekt aus. Woran das liegt, wie Sie die betroffenen Polygone finden und wie Sie sie richtig korrigieren.

Von Stefan Kratzert

Das Symptom

Der Grundriss ist gezeichnet, jeder Raum hat sein Polygon, die Flächen rechnen sich sauber. Beim Import in Ihr CAFM-System fällt trotzdem ein Teil der Räume durch, mit der Meldung, das Polygon sei nicht geschlossen. Wer die Datei danach in AutoCAD öffnet, findet nichts: Die Polygone sehen geschlossen aus, lassen sich schraffieren, und die Flächenangabe stimmt.

Der Grund ist, dass „geschlossen" zwei verschiedene Dinge bedeuten kann — und der Importer meist nur eines davon prüft.

Warum das CAD nichts anzeigt

Eine Polylinie kann geometrisch zu sein: Der letzte Stützpunkt liegt exakt auf dem ersten. Sie sieht zu aus, schraffiert sich, die Fläche wird berechnet.

Davon unabhängig trägt sie eine Eigenschaft „Geschlossen". Ist die gesetzt, existiert ein echtes Schlusssegment statt eines doppelten Endpunkts. Nur diese Eigenschaft liest ein CAFM-Importer. Beide Zustände sind auf dem Bildschirm nicht zu unterscheiden — deshalb findet die Sichtkontrolle den Fehler nie.

Die Hersteller wissen das. Die Handbücher der gängigen FM-Applikationen weisen ausdrücklich darauf hin, dass nicht geschlossene Polylinien über den Befehl Pedit mit der Option Schließen oder über das Eigenschaften-Fenster geschlossen werden müssen — und dass das auch für optisch geschlossene Polylinien gilt.

Die fünf Ursachen hinter derselben Meldung

Das Flag fehlt. Die Polylinie ist geometrisch zu, aber nicht als geschlossen markiert. Der häufigste Fall, und der harmloseste.

Es klafft eine echte Lücke. Anfangs- und Endpunkt liegen Millimeter auseinander. Im Maßstab 1:100 unsichtbar, für den Importer ein offener Linienzug. Ein Trick aus den Herstellerhandbüchern selbst: Wo die Begrenzung offen ist, finden Sie, indem Sie eine Schraffur in den Raum setzen — sie scheitert genau dort, wo der Ring nicht schließt.

Die Höhenlage stimmt nicht. Das Polygon liegt nicht auf Z = 0, oder seine Stützpunkte liegen auf verschiedenen Höhen. Von oben betrachtet völlig unauffällig; der Importer sucht einen geschlossenen Ring in seiner Prüfebene und findet keinen. Die Meldung lautet trotzdem oft „nicht geschlossen". CAD-Applikationen für das Facility Management arbeiten grundsätzlich in der zweidimensionalen x/y-Ebene; dreidimensionale Objekte lassen sich zwar darstellen, beim Objektfang muss aber in der x/y-Achse mit Z = 0 gefangen werden.

Die Normale ist gedreht. Bei gespiegelten Polylinien zeigt die Extrusionsrichtung nach (0,0,-1). Geometrie und Flächenberechnung in AutoCAD bleiben korrekt, der Ring ist aber negativ orientiert.

Es ist gar kein Polygon. Der Raum besteht aus Einzellinien und Bögen, nicht aus einer Polylinie. Dann gibt es nichts zu schließen, sondern nur eine Linienschar, die zufällig wie ein Raum aussieht.

Was das Importprotokoll verrät

Bevor Sie in der Zeichnung suchen, lesen Sie das Protokoll. Die CAD-Schnittstellen der CAFM-Systeme schreiben beim Konvertieren eine Protokolldatei, die die beanstandeten Objekte mit ihrem AutoCAD-Handle auflistet und zwischen den Fehlerarten unterscheidet: geschlossene, aber nicht konvertierte Polylinien auf dem Quell-Layer, Polygone mit Überschneidungen, Polygone, die bereits einem anderen Objekt zugeordnet sind. Über das Handle springen Sie jede Fundstelle direkt an.

Parallel markieren die Applikationen die Fälle farbig in der Zeichnung — unterschiedliche Pfeilfarben für mehrfach vergebene Raumnummern, Überschneidungen und fehlerhafte Attributwerte. Ein Punkt bleibt dabei unsichtbar: Ein Raumpolygon ohne zugehöriges Nummernobjekt wird üblicherweise nicht markiert. Dieser Fall steht nur im Protokoll, und genau deshalb ersetzt das Protokoll die Sichtkontrolle, nicht umgekehrt.

Offene Polygone finden

Der schnellste Weg in AutoCAD ist die Schnellauswahl: _QSELECT, Objekttyp Polylinie, Eigenschaft Geschlossen, Operator ungleich, Wert Ja. Alles Offene liegt damit im Auswahlsatz und lässt sich sofort einfärben oder auf einen Prüflayer legen.

Für eine Liste statt einer Markierung eignet sich _DATAEXTRACT über die Zeichnung, mit den Eigenschaften Geschlossen, Layer, Fläche und Handle, Export nach CSV. In der Tabelle filtern Sie nach „Nein" und haben die Fundstellen mit Handle, über das Sie jedes Objekt in der Zeichnung direkt anspringen.

Wer viele Pläne auf einmal prüfen muss, liest besser die DXF-Datei aus — also genau das, was auch der Importer liest. Eine solche Prüfung erfasst in einem Durchlauf Flag, Lückenmaß, Z-Lage, Planarität und Extrusionsrichtung und liefert je Objekt die Fehlerklasse. Das ist der einzige Weg, der auch die Fälle findet, die in der Schnellauswahl unauffällig bleiben.

Richtig korrigieren

Die Reihenfolge entscheidet, ob am Ende der Grundriss noch stimmt.

Zuerst _OVERKILL mit aktivierter Option für Polyliniensegmente — das entfernt Dubletten und Segmente ohne Länge. Dann alle Polygone mit gesetztem Flag-Fehler und Lückenmaß nahe null über die Schnellauswahl greifen und per _PEDIT, Option Mehrere, Option Schließen in einem Zug schließen.

Polygone mit echter Lücke gehören einzeln angesehen. Der Befehl Schließen zieht hier eine gerade Strecke von Ende zu Anfang — quer durch den Raum, wenn die Lücke nicht dort sitzt, wo man sie vermutet. Höhenfehler werden nicht geschlossen, sondern auf Z = 0 gesetzt; echte 3D-Polylinien gehören als 2D-Polylinie neu erzeugt.

Für neu zu erzeugende Raumpolygone ist der Befehl Umgrenzung mit Objekttyp Polylinie und ausgeschalteter Inselerkennung die verlässlichste Methode. Das Ergebnis ist konstruktionsbedingt eine geschlossene Polylinie mit gesetztem Flag. Es ist auch genau der Weg, den die CAD-Applikationen der CAFM-Hersteller selbst vorsehen, wenn Räume geteilt oder zusammengelegt werden. Nachzeichnen von Hand erzeugt dagegen zuverlässig neue Fälle derselben Art.

Was beim Rückweg ins CAFM zusätzlich zählt

Geschlossene Polygone sind notwendig, aber nicht hinreichend. Drei Punkte kippen einen Import genauso.

Hierarchie. Ein untergeordnetes Polygon muss vollständig innerhalb des übergeordneten liegen. Es darf es berühren, aber nicht schneiden. Ein Raumpolygon, das minimal über das Geschosspolygon hinausragt, wird je nach System stillschweigend nur in der Zeichnung gespeichert und erreicht die Datenbank nie.

Inseln. Löcher im Polygon werden von den meisten Importern nicht unterstützt. Stützen und ähnliche Abzugsflächen gehören auf einen eigenen Abzugsflächen-Layer oder werden über einen Steg angebunden, nicht als innerer Ring in das Raumpolygon gelegt.

Die richtige Exportdatei. Wenn Ihr CAFM-System eine Zeichnung für die externe Bearbeitung ausgibt, gibt es meist zwei Varianten: eine, bei der nur die Datenbankinformationen von den Objekten gelöst werden und die Zeichnung vollständig bleibt — und eine, bei der sämtliche FM-Objekte entfernt werden. Nur die erste lässt sich anschließend wieder einspielen.

Bei waveware von Loy & Hutz, dessen AutoCAD-Anbindung auf FMdesign der deltaCAD GmbH aufsetzt, heißen die beiden Varianten _clear.dwg und _nonFM.dwg. Die _clear-Datei behält alle Objekte, nur die FM-Informationen sind gelöst; sie wird vor dem Rückspielen in den Originalnamen umbenannt und über cad2FM wieder eingelesen. Die _nonFM-Datei lässt sich nicht reimportieren. Wer sie zur Bearbeitung weitergibt, verbaut sich den Rückweg, bevor die Arbeit überhaupt begonnen hat. Andere CAFM-Systeme kennen vergleichbare Varianten unter anderen Namen. Klären Sie das vor der Übergabe, nicht danach.

Wenn wir das übernehmen sollen

Wir bereiten Bestands- und Grundrisspläne so auf, dass sie beim Import in Ihr CAFM-System ohne Nacharbeit durchlaufen: Raumpolygone prüfbar geschlossen, in einheitlicher Höhenlage, sauber getrennte Layer, Abzugsflächen korrekt geführt, Raumstempel mit den Attributen, die Ihr System erwartet. Die Prüfung läuft bei uns skriptgestützt über die ausgelieferte Datei und nicht über eine Sichtkontrolle.

Schicken Sie uns das Fehlerprotokoll Ihres Imports und eine Beispielzeichnung — daraus sehen wir, welche der genannten Ursachen bei Ihnen vorliegt und wie groß der Aufwand ist.

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