BIM-Reifegrade: Level 0 bis 3 verständlich erklärt
Kurz gesagt: Die BIM-Reifegrade (BIM Level 0–3) beschreiben, wie weit ein Projekt oder eine Organisation auf dem Weg zum vollständig kollaborativen, modellbasierten Arbeiten fortgeschritten ist – von der reinen 2D-Zeichnung (Level 0) über das eigenständige 3D-Modell (Level 1) und die modellbasierte Zusammenarbeit mit IFC-Austausch (Level 2) bis zum gemeinsamen, zentralen Modell im Sinne von Open BIM (Level 3). Das Modell stammt ursprünglich aus dem britischen Kontext und ist nicht deckungsgleich mit dem deutschen BIM-Stufenplan.
Wozu ein Reifegrad-Modell?
Die BIM-Reifegrade sind eine Orientierungshilfe: Sie ordnen ein, wie „digital" und wie „kollaborativ" ein Planungsprozess wirklich ist. Statt BIM als Alles-oder-nichts zu verstehen, machen die Level sichtbar, dass der Übergang schrittweise verläuft – jede Stufe baut auf der vorherigen auf. Das hilft Auftraggebern wie Planern, den Ist-Zustand ehrlich einzuschätzen und den nächsten sinnvollen Schritt zu setzen.
Level 0 – die 2D-Vorstufe
Level 0 ist streng genommen noch kein BIM. Gearbeitet wird mit 2D-CAD-Zeichnungen ohne intelligente Bauteile, ohne Attribute und ohne verbindliche Standards; Ergebnisse werden als Plot oder PDF ausgetauscht. Man kann es als „Pseudo-BIM" verstehen – der Einstieg in die digitale Planung, bei dem CAD lediglich Papier und Bleistift ersetzt.
Level 1 – das eigenständige 3D-Modell
Level 1 gilt als Mindestvoraussetzung für BIM-konformes Arbeiten. Die Planung entsteht als 3D-Modell in einem BIM-Autorenwerkzeug (etwa Revit, ArchiCAD oder Allplan), das mit den nötigen Attributen gefüllt wird. Aus dem Modell lassen sich 2D-Pläne und Auswertungen ableiten; der Datenaustausch läuft über eine gemeinsame Datenumgebung (CDE). Die Mehrheit der Büros in Deutschland arbeitet heute auf diesem Niveau.
Level 2 – modellbasierte Zusammenarbeit
Level 2 geht über das reine Modellieren hinaus: Alle Fachdisziplinen – Architektur, TGA, Tragwerk – führen ihre eigenen Fachmodelle und tauschen sie modellbasiert aus, ohne zwingend an einem einzigen gemeinsamen Modell zu arbeiten. Entscheidend ist der strukturierte Austausch über ein neutrales Format: Jede Software muss IFC (Industry Foundation Classes) exportieren und importieren können. In einem Koordinationsmodell lassen sich so automatisiert Kollisionen prüfen und Konflikte im BCF-Format dokumentieren. Auf dieser Stufe kommen typischerweise auch die Dimensionen 4D (Zeit) und 5D (Kosten) ins Spiel.
Level 3 – das gemeinsame Modell (Open BIM)
Level 3 ist bislang eher Zielbild als gelebte Praxis. Die Idee: ein einziges, zentral gehaltenes Projektmodell, auf das alle Beteiligten über die offene IFC-Schnittstelle zugreifen – ein „Single Point of Truth" ohne widersprüchliche Datenstände. Dieses vollständig offene, integrierte Arbeiten wird als Open BIM bezeichnet und reicht bis ins Lebenszyklus-Management (digitaler Zwilling). Offene Fragen zu Urheberrecht, Haftung und Vertragsmodellen sind hier noch nicht abschließend geklärt.
Wo steht die Praxis?
Die meisten Unternehmen in Deutschland bewegen sich zwischen Level 0 und Level 1, während der internationale Trend klar Richtung Level 2 geht. Für ein konkretes Projekt heißt das: Der sinnvolle nächste Schritt ist meist nicht der Sprung zu Level 3, sondern die saubere Etablierung des Modell- und IFC-Austauschs auf Level 2 – dort entsteht der größte Nutzen bei überschaubarem Aufwand.
Abgrenzung: Reifegrade ≠ Stufenplan ≠ Dimensionen
- Reifegrade (Level 0–3) stammen aus dem britischen/Open-BIM-Kontext und beschreiben den Kollaborationsgrad – wie gemeinsam am Modell gearbeitet wird. Das ist etwas anderes als der deutsche BIM-Stufenplan, der die politische Einführungs-Roadmap für Infrastrukturprojekte meint (Grundlagen dazu: Was ist BIM?).
- Die Reifegrade sind ebenfalls nicht identisch mit den BIM-Dimensionen 3D–7D, die den inhaltlichen Informationsumfang eines Modells beschreiben – Geometrie, Zeit, Kosten, Nachhaltigkeit, Betrieb (Details: BIM-Dimensionen 3D–7D).
- Kurz: Reifegrade = *wie kollaborativ*, Stufenplan = *politische Einführung*, Dimensionen = *wie viel Information*.
Einordnung & nächster Schritt
Die Reifegrade sind ein Baustein im größeren BIM-Bild. Wenn Sie zunächst die Grundlagen einordnen möchten, führt der Überblick Was ist BIM? durch Begriffe, Methode und Nutzen. Und wenn Sie für Ihr Projekt ein sauber strukturiertes, IFC-fähiges Modell als Grundlage für kollaboratives Arbeiten brauchen, unterstützen wir Sie mit BIM-fähigen 3D-Modellen.