BIM to Field & Field to BIM: die digitale Baustelle

Auf den Punkt:

BIM to Field und Field to BIM verbinden Modell und Baustelle: Planungsdaten vor Ort nutzen und Bauzustände zurück ins Modell spielen – mit Nutzen und Grenzen.

Von Stefan Kratzert

BIM to Field und Field to BIM

Kurz gesagt: BIM endet nicht am Bildschirm. „BIM to Field" bringt die Daten aus dem Modell auf die Baustelle, „Field to BIM" den tatsächlichen Bauzustand zurück ins Modell. Zusammen schließen sie die Lücke zwischen Planung und Ausführung – aus einem statischen Plan wird ein durchgängiger Kreislauf zwischen Büro und Bau.

Das Problem: der Medienbruch zwischen Planung und Bau

In der klassischen Baupraxis entsteht ein Bruch, sobald die Planung die Baustelle erreicht: Aus dem digitalen Modell werden Pläne gedruckt, vor Ort interpretiert, von Hand übertragen – und Abweichungen, die beim Bauen entstehen, finden oft nie den Weg zurück in die Planungsunterlagen. Informationen gehen verloren oder müssen mühsam neu erfasst werden.

BIM to Field und Field to BIM setzen genau hier an. Sie verstehen das Modell nicht als Endprodukt der Planung, sondern als lebende Datenbasis, die mit der Baustelle in beide Richtungen verbunden ist.

BIM to Field: vom Modell auf die Baustelle

Beim BIM to Field fließen die Informationen aus dem Modell direkt in die Ausführung. Typische Anwendungen sind:

  • Absteckung: Punkte und Achsen aus dem Modell werden mit Vermessungsgeräten – etwa Tachymetern oder robotischen Totalstationen – präzise auf der Baustelle markiert, statt sie aus Plänen abzugreifen.
  • Visueller Abgleich vor Ort: Mit mobilen Geräten oder Augmented-Reality-Lösungen lässt sich die geplante Ausführung am realen Bauort überprüfen – etwa, ob Installationsführungen kollidieren oder genügend Montageraum vorhanden ist.

Der gemeinsame Nenner: Die Bauausführung greift auf denselben, aktuellen Datenstand zu wie die Planung – ohne Übertragungsfehler durch händisches Abzeichnen.

Field to BIM: von der Baustelle zurück ins Modell

Die Gegenrichtung erfasst den tatsächlichen Zustand und spielt ihn zurück. Dazu wird der Ist-Zustand vor Ort aufgenommen – häufig über Laserscanning oder Fotogrammetrie – und mit dem geplanten Modell abgeglichen. So entstehen ein dokumentierter Bauzustand und ein belastbarer Soll-Ist-Vergleich.

Diese Aufnahme über Punktwolken ist ein eigenes, technisch anspruchsvolles Feld: Aus Millionen von Messpunkten wird erst durch Auswertung ein nutzbares Modell. Wie aus einer Punktwolke ein verwertbares As-Built-Modell entsteht, behandeln wir gesondert in den Beiträgen zu Punktwolken und As-Built-Modellen – hier genügt die Einordnung, dass Field to BIM der Rückkanal von der Baustelle ins Modell ist.

Nutzen – und wo die Grenzen liegen

Der Nutzen des durchgängigen Kreislaufs liegt auf der Hand: weniger Übertragungsfehler, ein dokumentierter Ist-Zustand und Abweichungen, die früh sichtbar werden, statt erst bei der Abnahme. Die Information bleibt über Planung und Ausführung hinweg konsistent.

Gleichzeitig sind die Voraussetzungen real: Es braucht geeignete Geräte vor Ort, geschultes Personal und vor allem ein Modell von ausreichender Qualität und Aktualität. Ein veraltetes oder unvollständiges Modell taugt nicht als Grundlage für die Absteckung. Und nicht jede Baustelle rechtfertigt den Aufwand – der Mehrwert hängt von Projektgröße, Komplexität und der vorhandenen Datenbasis ab. BIM to Field ist ein Werkzeug, kein Selbstzweck.

Zum Weiterlesen

Die Aufnahme des Ist-Zustands über Punktwolken und ihre Weiterverarbeitung zu As-Built-Modellen behandeln wir in eigenen Beiträgen. Einen Überblick über die zugehörigen Begriffe – etwa scan-to-BIM und digitaler Zwilling – gibt unser BIM-Glossar, und das Gesamtbild liefert der Grundlagenbeitrag „Was ist BIM?".

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*Wunderloop erstellt aus Vermessungen, Punktwolken und Vor-Ort-Aufnahmen normgerechte CAD-Zeichnungen und As-Built-Modelle. Wenn Sie einen Bauzustand digital erfassen oder ein Bestandsmodell aufbauen möchten, stellen Sie uns gern eine unverbindliche Anfrage.*

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