BIM-Modellierungsrichtlinie aufsetzen
Kurz gesagt: Eine Modellierungsrichtlinie legt fest, wie alle Beteiligten ihre Modelle aufbauen — von Nullpunkt und Einheiten über das Achsraster bis zur Modellstruktur. Sie ist die Voraussetzung dafür, dass Fachmodelle verschiedener Planer störungsfrei zu einem Koordinationsmodell zusammenfinden.
BIM ist ein interdisziplinärer Prozess: Architektur, Tragwerk und Fachplanungen erzeugen eigene Modelle, die regelmäßig zusammengeführt werden. Damit das funktioniert, müssen alle nach denselben Regeln modellieren. Diese Regeln gehören in eine projektspezifische Modellierungsrichtlinie (oft als Modellierungsvorgabe bezeichnet), die zu Projektbeginn definiert und über AIA und BIM-Abwicklungsplan (BAP) verbindlich gemacht wird.
Projektnullpunkt und Koordinaten
Der gemeinsame Koordinatenursprung wird einmal vereinbart und darf danach nicht eigenmächtig geändert werden — ein nachträgliches Verschieben von Modellen ist zu vermeiden. Besondere Vorsicht gilt bei Anpassungen und Plankorrekturen: Änderungen am Bezugssystem müssen mit dem Projektteam abgestimmt und dokumentiert werden. Wird der Nullpunkt uneinheitlich gesetzt, passen die Fachmodelle beim Zusammenführen nicht aufeinander.
Einheiten
Für eine konsistente Zusammenarbeit braucht es eine einheitliche metrische Einheit. Empfohlen wird der Maßstab 1:1 in Metern mit drei Nachkommastellen. Je nach Gewerk werden die SI-Einheiten genutzt (Meter = m, Fläche = m², Druck = Pa usw.). Die Festlegung gehört in die Modellierungsvorgabe, damit Modellierende eine eindeutige Anweisung haben.
Achsraster
In allen Disziplinen sollte ein gemeinsames 3D-Raster die Lagegenauigkeit sichern. Das Raster wird vom Planungsteam projektspezifisch in der Modellierungsvorgabe definiert, dient als Orientierung für die Ausrichtung der Bauteile und darf während Planung und Ausführung nicht verändert werden. Jede projektbedingte Änderung ist zu dokumentieren.
Ein praktischer Grundsatz: Das Raster wird im Datensatz nur einmal platziert und benannt, um Verschiebungen und versehentliche Änderungen auszuschließen. Neben dem Hauptraster (Gebäude- bzw. Konstruktionsraster) können Hilfsraster eingesetzt werden, etwa für Innenausbau oder Fassade — auch sie werden einmalig definiert, von allen Planern übernommen und gegen Verschiebung gesichert.
Modellstruktur
Aus der Zusammenarbeit mehrerer Fachplaner entstehen mehrere Modelle, die an Datenübergabepunkten zu einem umfassenden Koordinationsmodell zusammengeführt werden. Wegen der Dateigröße empfiehlt es sich, die Modelle in Modelltypen und Bauabschnitte zu gliedern. Diese Struktur wird zu Projektbeginn festgelegt und konsistent angewendet. Entwickelt sich das Projekt weiter, kann eine Anpassung nötig werden — diese gehört in BAP und Modellierungsvorgabe.
Modelltypen
Drei Modelltypen bilden das Grundgerüst:
- Fachmodell: Das disziplinspezifische Gebäudemodell, das von den jeweiligen Planern erstellt und im Projektverlauf erweitert wird. Die Fachmodelle bilden zusammen das integrierte Bauwerksmodell.
- Teilmodell: Eine Teilmenge eines Fachmodells — die unterste Ebene der Struktur. Fachmodelle werden in Teilmodelle untergliedert, etwa nach räumlicher Ausdehnung, Bauabschnitten oder aus Performance-Gründen (Dateigröße).
- Koordinationsmodell: Die Zusammenführung der Fachmodelle zur interdisziplinären Abstimmung. Stammen die Modelle aus unterschiedlicher Software, wird das Koordinationsmodell im IFC-Format zusammengeführt; arbeiten alle mit derselben Software, ist auch ein natives Format möglich.
Eine saubere Modellierungsrichtlinie ist auch die Voraussetzung für belastbare Auswertungen — etwa modellbasierte Mengenermittlung — und steht im Einklang mit Regelwerken wie der VDI 2552 Blatt 3. Sie greift eng mit dem Informationsmanagement nach ISO 19650 und dem Verständnis der BIM-Dimensionen ineinander.
*Fachliche Grundlage: Arbeitshilfen aus dem Masterplan BIM Bundesbau (Modellierungsvorgaben).*