BIM-Modellprüfung & Qualitätssicherung
Kurz gesagt: Modellprüfung stellt sicher, dass BIM-Modelle die vereinbarte Qualität tatsächlich erfüllen. Geprüft werden geometrische und alphanumerische Inhalte — teils visuell, teils automatisiert über Prüfregeln. Klare Rollen und nachvollziehbare Prüfberichte machen die Qualität belastbar.
Ein BIM-Modell ist nur so viel wert wie die Daten, die darin stecken. Die Modellprüfung kontrolliert, ob ein Modell den Anforderungen aus den Auftraggeber-Informationsanforderungen (AIA) entspricht — nicht nur, ob es „richtig aussieht", sondern ob die geforderten Objekttypen, Attribute und Werte enthalten und korrekt sind.
Vier Arten der Prüfung
Sinnvoll trennt man zunächst zwei Prüfziele:
- Informationsqualität prüft die Konformität zwischen Planung und der über die AIA geforderten Information — also ob die vereinbarten Inhalte vorhanden, vollständig und im richtigen Format vorliegen.
- Planerische Qualität bewertet die Entwurfsqualität selbst: fachliche Richtigkeit, Plausibilität, Einhaltung von Normen und Regelwerken.
Quer dazu unterscheidet man geometrische Inhalte (die Modellelemente und ihre Geometrie) und alphanumerische Inhalte (die mit den Elementen verknüpften Attribute). Der Schwerpunkt der praktischen Qualitätssicherung liegt auf der Informationsqualität — hier ist die Automatisierung am weitesten.
Manuell oder regelbasiert
Zwei Wege führen zum Ergebnis:
- Die manuelle, visuelle Prüfung erfolgt in einem BIM-Viewer. Viewer sind meist kostenfrei, sodass auch Bauherren und Fachplaner ohne Spezialsoftware eingebunden werden können. Für die Sichtprüfung reicht das — für eine systematische Qualitätssicherung fehlen ihnen die nötigen Funktionen.
- Die automatisierte, regelbasierte Prüfung läuft in einem BIM-Modellchecker. Er wertet geometrische und alphanumerische Informationen aus, ermittelt Massen und Mengen und erzeugt Kollisions- und Mängelberichte. Automatische Prüfroutinen liefern bei jeder Anwendung identische Ergebnisse und sind dadurch hoch zuverlässig.
Noch lässt sich nicht alles automatisieren: Für manche Prüfungen fehlen Prüfregeln oder die Werkzeuge müssen erweitert werden. Die Plausibilitätsprüfung von Planungen bleibt vorerst ein Forschungsthema.
Prüfregeln verstehen
Regelbasierte Prüfung braucht Prüfregeln in computerinterpretierbarer Form. Im Kern sind das einfache logische Abfragen, die mit „bestanden", „nicht bestanden" oder „nicht geprüft" beantwortet werden.
Ein Beispiel: *„Prüfe, ob die Türöffnungsbreite mindestens 800 mm beträgt."*
- Enthält das Fachmodell ein Türobjekt mit der Eigenschaft „Türöffnungsbreite" = 800 mm → bestanden.
- Bei 750 mm → nicht bestanden.
- Fehlt die Eigenschaft oder heißt sie anders → nicht geprüft.
Daran zeigt sich: Eine exakte Übereinstimmung zwischen den Attributnamen im Modell und der Prüfregel ist Pflicht. Welche Elemente welche Attribute tragen sollen, ergibt sich aus dem LOIN-Konzept und wird über AIA und BIM-Abwicklungsplan (BAP) festgelegt. Eine neutrale Prüfregelsprache existiert bislang nicht — Regelsätze müssen daher pro Software erstellt werden und lassen sich zwischen Modellcheckern nicht austauschen.
Wer prüft was
Die Qualitätssicherung gliedert sich in drei Schritte mit klaren Rollen:
- Interne Prüfung der Fachmodelle durch die BIM-Fachkoordination.
- Überprüfung der Gesamtplanung durch die BIM-Gesamtkoordination.
- Überprüfung und Freigabe durch den Auftraggeber bzw. das BIM-Management.
Umfang und Regelmäßigkeit der Prüfungen gehören ins Kapitel „Qualitätssicherung" der AIA und werden im BAP konkretisiert. Man unterscheidet die kontinuierliche Prüfung im laufenden Projekt von der abschließenden Prüfung zum Meilenstein.
Prüfbericht und Qualitätssicherungsbericht
Dokumentiert wird über zwei Berichtstypen:
- Der Prüfbericht hält das aktuelle Ergebnis einer Modellprüfung fest (Koordinations-, Kollisions- und alphanumerische Prüfung) und wird im PDF-Format auf der CDE abgelegt. Er enthält Prüfinhalte, Prüfziele, Prüfregeln und Prüfergebnisse.
- Der Qualitätssicherungsbericht ist die umfassende Analyse zu definierten Meilensteinen. Er bestätigt die Fehlerfreiheit der Koordinationsmodelle und bildet zusammen mit der fachlichen Prüfung die Grundlage für die Freigabe und den Übergang in die nächste Phase. Er enthält den Stand der Modellierung (Soll/Ist), die Bewertung der Anforderungen, kritische Punkte und gegebenenfalls eine Freigabeempfehlung.
Eine einfache Rot/Grün-Matrix (rot = nicht bestanden, grün = bestanden) macht den Modellstand transparent auf einen Blick.
Die Vertiefung zur geometrischen Prüfung — das Auffinden von Überschneidungen zwischen Bauteilen — behandelt der Artikel zur Kollisionsprüfung. Die Übergabe gefundener Probleme erfolgt über das BIM Collaboration Format (BCF).
*Fachliche Grundlage: Arbeitshilfe „Modellprüfung" aus dem Masterplan BIM Bundesbau.*