Kollisionsprüfung (Clash Detection) in BIM

Auf den Punkt:

Clash Detection in BIM: harte, weiche und Workflow-Kollisionen erkennen, mit Kollisionsmatrix und Prioritäten steuern, Toleranzen staffeln und Issues per BCF lösen.

Von Stefan Kratzert

Kollisionsprüfung (Clash Detection) in BIM

Kurz gesagt: Die Kollisionsprüfung findet geometrische Konflikte zwischen Bauteilen, bevor sie auf der Baustelle teuer werden. Entscheidend ist nicht das bloße Auffinden tausender Kollisionen, sondern ihre sinnvolle Priorisierung und die strukturierte Übergabe an die Fachplaner.

Architektur, Tragwerk und technische Gebäudeausrüstung entstehen oft in getrennten Fachmodellen. Werden sie zu einem Koordinationsmodell zusammengeführt, treffen Bauteile aufeinander, die sich im Raum überschneiden. Die Kollisionsprüfung deckt diese Konflikte früh auf — in der Planung, wo sie sich noch günstig lösen lassen, statt erst im Bau, wo sie Nacharbeit, Materialverschwendung und Terminverzug bedeuten.

Drei Arten von Kollisionen

  • Harte Kollision (hard clash): Zwei Bauteile beanspruchen denselben Raum — etwa ein Träger, der durch einen Lüftungskanal läuft, oder eine Leitung, die einen anderen Strang kreuzt. Das ist ein physischer Konflikt, der vor dem Bau aufgelöst werden muss.
  • Weiche Kollision (soft clash): Ein Bauteil verletzt den geforderten Frei- oder Wartungsraum eines anderen, ohne es direkt zu schneiden — zum Beispiel ein Gerät ohne die nötige Zugänglichkeit für Montage oder Instandhaltung.
  • Workflow-Kollision (workflow clash): Kein geometrischer, sondern ein ablauf- oder terminbezogener Konflikt — etwa widersprüchliche Bauabläufe oder Gewerke, die sich zeitlich behindern.

Vom Befund zur Priorität

Ein Modellchecker erkennt bei einer Prüfung schnell mehrere tausend Kollisionen. Ohne Ordnung ist das unbrauchbar. Zwei Werkzeuge schaffen Übersicht:

  • Die Kollisionsmatrix legt fest, welche Fachmodelle überhaupt gegeneinander geprüft werden.
  • Die Kollisionsprioritätstabelle ordnet die Befunde in eine Bearbeitungsreihenfolge. Eine sinnvolle Priorisierung berücksichtigt: Fachmodell, Bauteiltyp/Kategorie, Größe des Bauteils, Bauzustand (Planung oder Bestand) und Baureihenfolge.

So lassen sich die wirklich relevanten Konflikte zuerst lösen, statt sich in Bagatellen zu verlieren.

Toleranzen über den Projektverlauf staffeln

Nicht jede minimale Überschneidung ist in jeder Phase ein echtes Problem. Die akzeptablen Toleranzen sollten dem Planungsfortschritt folgen und in AIA und BAP vereinbart werden. Früh dürfen die Toleranzen großzügig sein, um die Zahl der Issues beherrschbar zu halten; mit zunehmender Ausarbeitung werden sie enger.

| Beispiel: Wand (Architektur) × Rohrleitung (TGA) | LPH 2 | LPH 3 | LPH 5 | LPH 8 |

| --- | --- | --- | --- | --- |

| Toleranzbereich | ~ 100 mm | ~ 50 mm | ~ 25 mm | ~ 0 mm |

Konflikte lösen und kommunizieren

Gefundene Kollisionen werden als Issues an die zuständigen Fachplaner übergeben — am besten über das BIM Collaboration Format (BCF). BCF verknüpft jedes Issue direkt mit der betroffenen Stelle und dem betroffenen Bauteil im Modell und transportiert Beschreibung, Verantwortlichkeit, Fälligkeit, Priorität und einen Bildausschnitt — ohne dass das gesamte Modell mitgeschickt werden muss. Details dazu im Artikel zu den BIM-Datenformaten IFC, BCF und COBie.

Die Kollisionsprüfung ist der geometrische Teil der übergeordneten Modellprüfung und Qualitätssicherung — eingebettet in denselben Prozess aus interner Prüfung, Gesamtkoordination und Freigabe.

*Fachliche Grundlage: Arbeitshilfe „Modellprüfung" aus dem Masterplan BIM Bundesbau.*

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