Für die energetische Bewertung eines Gebäudes gibt es zwei grundsätzliche Wege: die statische Bilanz nach DIN V 18599 und die dynamische thermische Simulation. Beide bauen auf einem sauber aufgebauten Gebäude-Energiemodell auf — beantworten aber unterschiedliche Fragen. Dieser Beitrag hilft bei der Einordnung.
Die statische Bilanz nach DIN V 18599
Die statische Bilanz ist das Standardverfahren für den Energiebedarfsnachweis. Sie rechnet mit monatlichen Mittelwerten und normierten Nutzungsprofilen und liefert den Jahresenergiebedarf für Heizung, Kühlung, Lüftung, Warmwasser und Beleuchtung. Für den Energieausweis, den Nachweis nach dem Gebäudeenergiegesetz (GEG) und die meisten Förderanträge ist dieses Verfahren vorgeschrieben und in der Regel ausreichend. Sein Vorteil: Es ist standardisiert, vergleichbar und vergleichsweise schnell zu erstellen.
Die dynamische thermische Simulation
Die dynamische Simulation rechnet stundenweise über das Jahr — mit realen Wetterdaten, tatsächlichen Belegungsverläufen und dem Zusammenspiel von Speichermassen, solaren Gewinnen und Anlagentechnik. Damit lassen sich Fragen beantworten, die eine Monatsbilanz nicht auflösen kann: thermische Behaglichkeit, sommerlicher Wärmeschutz, die Auslegung von Klima- und Lüftungstechnik oder das Verhalten von Sondernutzungen wie Atrien und großen Glasfassaden.
Der Unterschied
Der Kern ist die zeitliche Auflösung und der Zweck. Die statische Bilanz beantwortet die Frage „Wie hoch ist der Jahresbedarf im Sinne des Nachweises?" — normiert und vergleichbar. Die dynamische Simulation beantwortet „Wie verhält sich das Gebäude über den Tag und über das Jahr wirklich?" — detailliert und realitätsnah, dafür aufwendiger.
Wann welches Verfahren?
- Standard-Wohnbau: In der Regel genügt die statische Bilanz nach DIN V 18599.
- Bürogebäude mit Kühlung/Klimatechnik: Hier ist eine dynamische Simulation oft sinnvoll, etwa zur Auslegung und zum sommerlichen Wärmeschutz.
- Sondergebäude (Schule, Klinik, Atrium, stark verglaste Bauten): Häufig ist eine dynamische Betrachtung angezeigt.
- Förderprogramme: prüfen, ob der Nachweis nur die Bilanz oder zusätzlich eine Simulation verlangt.
Beide brauchen ein gutes Modell
Ob statisch oder dynamisch — die Qualität des Ergebnisses hängt vom zugrunde liegenden Energiemodell ab: von der Zonierung, der thermischen Hülle, den Konstruktionen und den Nutzungsprofilen. Ein sauber modelliertes Gebäude ist die gemeinsame Grundlage beider Verfahren.
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*Dieser Beitrag gibt einen Überblick und ersetzt keine individuelle Energieberatung. Welches Verfahren im Einzelfall erforderlich ist, klärt eine qualifizierte Fachperson.*